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Kreuzbandriss Reha

Aktualisiert am 18. August 2026

Guide

Transplantatwahl: Semitendinosus, Patellarsehne oder Quadrizepssehne

Was die drei üblichen körpereigenen Transplantate für Ihre Nachbehandlung bedeuten, was die Daten zum Spendertransplantat sagen und welche Frage Sie im Aufklärungsgespräch stellen sollten.

Die Wahl des Transplantats ist die Entscheidung, die im Aufklärungsgespräch am schnellsten getroffen und in der Reha am längsten gespürt wird. Alle drei körpereigenen Varianten funktionieren. Sie unterscheiden sich nicht darin, ob sie halten, sondern darin, wo es in den ersten Monaten hakt.

Die drei körpereigenen Transplantate

Was Sie in Ihrer eigenen Reha davon merken
TransplantatEntnahmestelleWas in der Reha auffällt
Semitendinosus (Hamstring)Beugesehnen an der Innenseite des OberschenkelsBeugekraft bleibt oft monatelang zurück, vor allem in tiefer Beugung. Vorderer Knieschmerz ist selten. Die häufigste Wahl in Deutschland.
Patellarsehne (BTB)Mittleres Drittel der Kniescheibensehne mit KnochenblöckenVorderer Knieschmerz und Knien auf harter Unterlage sind das typische Thema, die Streckkraft kommt langsamer. Knöcherne Einheilung, deshalb in Kontaktsportarten beliebt.
QuadrizepssehneSehne oberhalb der KniescheibeStreckdefizit und Quadrizepshemmung in den ersten Wochen ausgeprägter, danach meist unauffällig. In den letzten Jahren deutlich häufiger geworden.

Spendertransplantat: die eine klare Zahl

Beim Spendertransplantat vervierfacht sich die Rissrate

In der prospektiven MOON-Kohorte lag die Chance eines Transplantatrisses bei einem Spendertransplantat beim 4-Fachen eines körpereigenen. Dazu kommt: Je 10 Jahre geringeres Alter stieg die Chance um das 2,3-Fache, und die höchste Versagensquote hatten die 10- bis 19-Jährigen. Für junge, sportlich aktive Menschen ist das Spendertransplantat damit die schlechteste der verfügbaren Optionen. In Deutschland spielt es ohnehin eine kleine Rolle.

Was die Wahl für Ihren Zeitplan bedeutet

Kaum etwas. Der Kalender wird von der Einheilung des Transplantats bestimmt, und die verläuft bei allen körpereigenen Varianten in derselben Größenordnung. Was sich ändert, ist die Reihenfolge der Probleme: Nach einer Patellarsehnenplastik werden Sie mehr Zeit in die Kniescheibe und den vorderen Schmerz investieren, nach einer Semitendinosusplastik mehr in die Beugekraft, nach einer Quadrizepssehnenplastik früher in die Streckung. Die Gesamtdauer verschiebt das nicht.

Die Fragen für das Aufklärungsgespräch

  • Welches Transplantat verwenden Sie bei mir und warum gerade dieses? Eine begründete Antwort ist ein gutes Zeichen; wir machen das immer so ist eine Antwort, aber keine gute.
  • Wie viele dieser Eingriffe machen Sie im Jahr?
  • Wird zusätzlich eine laterale Zügelung gemacht? Bei jungen Menschen, hoher Rotationsinstabilität oder einer Revision wird das häufiger erwogen.
  • Gibt es einen Meniskusbefund, der die Nachbehandlung ändert? Eine Meniskusnaht setzt in den ersten Wochen enge Grenzen für Belastung und Beugung, und das ändert Ihren gesamten Plan.
  • Wie sieht Ihr Nachbehandlungsschema aus, und bekomme ich es schriftlich?

Ein Hinweis mit Vorsicht

In einer kleinen Kohorte von Leistungssportlerinnen traten alle zweiten Kreuzbandverletzungen nach einem Semitendinosus-Transplantat auf. Das waren neun Ereignisse in einer Stichprobe dieser Größe, also kein Beleg gegen dieses Transplantat, sondern eine Beobachtung, die in größeren Kohorten geprüft werden muss. Wir führen sie auf, weil das Weglassen unbequemer Einzelbefunde genau die Art von Auswahl ist, die diese Seite nicht machen will.

Fragen, die wirklich gestellt werden

Welches Transplantat ist das beste bei einer Kreuzband-OP?
Es gibt kein bestes. Semitendinosus, Patellarsehne und Quadrizepssehne funktionieren alle; sie unterscheiden sich darin, wo die Reha hakt: Beugekraft, vorderer Knieschmerz oder frühe Streckung. Klar ist nur die Gegenrichtung: Ein Spendertransplantat riss in der MOON-Kohorte viermal so häufig wie ein körpereigenes.
Verlängert die Transplantatwahl meine Reha?
Nein, nicht in der Gesamtdauer. Die Einheilung verläuft bei allen körpereigenen Varianten ähnlich. Sie ändert die Reihenfolge der Baustellen, nicht den Kalender.
Warum sind Spendertransplantate bei jungen Menschen ein Problem?
In der MOON-Kohorte lag die Chance eines Transplantatrisses bei einem Spendertransplantat beim Vierfachen, und je 10 Jahre geringeres Alter stieg sie um das 2,3-Fache. Die höchste Versagensquote hatten die 10- bis 19-Jährigen.
Was ist eine laterale Zügelung?
Eine zusätzliche Stabilisierung an der Außenseite des Knies, die die Rotation kontrolliert. Sie wird vor allem bei jungen Menschen, ausgeprägter Rotationsinstabilität und bei Revisionen erwogen. Fragen Sie im Aufklärungsgespräch danach.