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Schwellung und Beweglichkeit nach der Kreuzband-OP
Der Erguss ist kein kosmetisches Problem: Er hemmt den Streckmuskel und bremst die ganze Reha. Wie man ihn misst, was volle Streckung bedeutet und warum beides vor der Kraft kommt.
Zwei Dinge entscheiden in den ersten Wochen mehr als jedes Übungsprogramm: ob das Knie reizlos ist und ob es ganz gerade wird. Beides klingt nach Nebensache und ist es nicht. Ein Gelenk mit Erguss hemmt den Quadrizeps reflektorisch, und ein Streckdefizit von fünf Grad verändert das Gangbild, die Belastung der Kniescheibe und langfristig den Knorpel.
Den Erguss messen: der Stroke-Test
Der Stroke-Test ist die einfache klinische Methode, um Flüssigkeit im Kniegelenk zu graduieren. Man streicht die Flüssigkeit von der Innenseite nach oben aus und beobachtet, ob und wie schnell sie zurückläuft. Bewertet wird in Stufen von null über Spur, 1+, 2+ bis 3+.
Er ist zuverlässiger, als man ihm ansieht: In einer Untersuchung mit 75 Testpaaren und zwei Untersuchenden erreichte die Skala ein Kappa von 0,75 bei 73 Prozent exakter Übereinstimmung, und keines der Testpaare wich um mehr als zwei Stufen ab. Für eine Untersuchung ohne Gerät ist das viel.
| Stufe | Befund | Was das für die Woche bedeutet |
|---|---|---|
| Null | Keine Flüssigkeitswelle auslösbar | Belastung kann gesteigert werden. |
| Spur | Kleine Welle nach mehrfachem Ausstreichen | Beobachten, Last halten. |
| 1+ | Deutliche Welle | Die letzte Steigerung war zu viel. Zurück auf die vorige Stufe. |
| 2+ | Flüssigkeit läuft ohne Ausstreichen zurück | Belastung reduzieren, Ursache suchen. |
| 3+ | Ausstreichen nach oben kaum möglich | Ärztlich abklären, nicht wegtrainieren. |
Der Erguss ist Ihr Belastungsmesser
Er ist die einzige Rückmeldung, die Sie zu Hause selbst erheben können und die objektiv genug ist, um danach zu steuern. Prüfen Sie ihn morgens, immer zur gleichen Zeit. Steigt er nach einer neuen Belastung an, war die Belastung zu groß, unabhängig davon, wie sie sich angefühlt hat.
Volle Streckung, und warum sie zuerst kommt
Volle Streckung heißt: seitengleich mit dem anderen Knie, einschließlich einer eventuellen Überstreckung. Nicht fast, nicht funktionell ausreichend. Wer die Gegenseite fünf Grad überstreckt, braucht diese fünf Grad auch auf der operierten Seite.
Ein Streckdefizit hat drei Folgen, die alle teuer sind: Der Quadrizeps kann in der Standphase nicht richtig arbeiten, das Gangbild bleibt asymmetrisch, und die Kniescheibe läuft anders. Streckdefizite werden mit der Zeit nicht besser, sondern fester. Die ersten sechs Wochen sind das Zeitfenster.
- Fersenstütz. Ferse auf eine Rolle, Oberschenkel entspannt hängen lassen, mehrmals täglich einige Minuten. Die Schwerkraft macht die Arbeit.
- Aktive Streckung mit Quadrizepsanspannung, mehrfach am Tag in kurzen Serien.
- Patellamobilisation. Eine festsitzende Kniescheibe blockiert Streckung und Beugung gleichermaßen und wird oft übersehen.
- Kein stundenlanges Sitzen mit gebeugtem Knie in den ersten Wochen ohne Streckpausen dazwischen.
Die Beugung, und wann sie eilt
Die Beugung ist geduldiger als die Streckung. Etwa 90 Grad in den ersten zwei Wochen, volle Beugung über die folgenden Wochen, ist eine übliche Zielsetzung, sofern keine Meniskusnaht eine Grenze setzt. Ein Beugedefizit von zehn Grad in Woche vier ist unangenehm, aber meistens einholbar. Ein Streckdefizit von fünf Grad in Woche vier ist ein Problem.
Wenn die Schwellung wiederkommt
Ein Reizerguss in Woche zehn bedeutet fast immer dasselbe: Die letzte Steigerung war zu groß, zu schnell oder zu oft. Das übliche Vorgehen ist unspektakulär: eine Stufe zurück, Hochlagern und Kühlen, Belastung über einige Tage konstant halten, dann in kleineren Schritten wieder aufbauen. Was dabei am meisten kostet, ist nicht der Erguss selbst, sondern die Kraftarbeit, die in diesen zwei bis vier Wochen nicht stattfindet.
Kommt der Erguss ohne erkennbaren Auslöser, hält er über Tage an, ist das Knie warm oder gerötet, oder kommt Fieber dazu, gehört das ärztlich abgeklärt und nicht auf dieser Seite gelöst.