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Kreuzbandriss Reha

Aktualisiert am 18. August 2026

Guide

Nachbehandlungsschema nach VKB-Plastik: fünf Phasen mit Kriterien

Ein Schema, das mit Bedingungen arbeitet statt mit Wochenzahlen. Für jede Phase steht, was erfüllt sein muss, um sie zu verlassen, und was gearbeitet wird, solange sie läuft.

Die deutsche AWMF-Leitlinie zur vorderen Kreuzbandruptur (Registernummer 012-005) und die internationale Leitlinie der APTA sagen dasselbe: Die Nachbehandlung soll funktionsorientiert und kriteriengestützt sein, nicht rein zeitgesteuert. Ein Schema, das nur Wochen kennt, schiebt Menschen mit einem geschwollenen Knie in die Sprungphase und hält Menschen mit einem stabilen Knie in der Beinpresse fest.

  1. Phase 1

    Reizfreiheit und Streckung, Woche 0 bis 2

    Inhalt: Abschwellen, passive und aktive Streckung, Quadrizepsansteuerung, gegebenenfalls Elektrostimulation, Patellamobilisation, Gangschulung an Stützen. Verlassen, wenn: Streckung seitengleich, Quadrizeps willkürlich ansteuerbar, Erguss deutlich rückläufig, Beugung Richtung 90 Grad.

  2. Phase 2

    Gangbild und Grundkraft, Woche 2 bis 6

    Inhalt: Gehen ohne Stützen, beidbeinige Kraft in sicheren Winkelbereichen, Hüft- und Rumpfstabilisation, Propriozeption beidbeinig, Fahrradergometer sobald die Beugung reicht. Verlassen, wenn: symmetrisches Gangbild ohne Hinken, volle Beugung im Alltag, kein Erguss nach Belastung, Quadrizeps-LSI etwa 60 bis 70 Prozent.

  3. Phase 3

    Kraftaufbau und Einbeinigkeit, Woche 6 bis 12

    Inhalt: progressiver Kraftaufbau, einbeinige Übungen, exzentrische Arbeit, ischiokrurale Muskulatur besonders nach Semitendinosus-Transplantat, Wadenkraft, erste Sprungvorbereitung ohne Sprung. Verlassen, wenn: Quadrizeps-LSI um 80 Prozent, kein Erguss, volle Beweglichkeit, saubere einbeinige Kniebeuge.

  4. Phase 4

    Laufen, Springen, Landen, Woche 12 bis 24

    Inhalt: Laufaufbau in Intervallen, beidbeinige dann einbeinige Sprünge, Landungstechnik mit Videokontrolle, Richtungswechsel in kontrollierter Form, Ausdauergrundlage. Verlassen, wenn: Quadrizeps- und Sprungtest-LSI um 90 Prozent, kein Erguss nach Belastung, saubere Landung ohne Knieeinwärtsbewegung.

  5. Phase 5

    Sportart und Rückkehr, Monat 6 bis 9 und darüber

    Inhalt: sportartspezifisches Training, Zweikampfformen, Reaktionsaufgaben unter Ermüdung, Mannschaftstraining in Stufen. Verlassen, wenn: bestandene Testbatterie, mindestens neun Monate seit der Operation, psychische Bereitschaft, ärztliche Freigabe.

Warum Kriterien und nicht Wochen

Weil die Streuung riesig ist. Zwei Menschen mit demselben Transplantat und derselben Klinik können in Woche zwölf 30 Prozentpunkte in der Quadrizepskraft auseinanderliegen. Ein Wochenschema behandelt beide gleich; ein Kriterienschema schickt den einen weiter und gibt dem anderen die vier Wochen, die er braucht.

Der Preis für das Gegenteil ist messbar. Bei 158 männlichen Profisportlern hatten diejenigen, die vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining nicht alle sechs Entlasskriterien erfüllten, eine Hazard Ratio von 4,1 für einen Transplantatriss. In derselben Kohorte rissen 26 von 158 das Transplantat, im Mittel 105 Tage nach der Rückkehr in den Sport.

Die drei Fehler, die dieses Schema verhindern soll

  • Die Phase wechseln, weil das Datum es sagt. Der häufigste Fehler und der teuerste. Ein Erguss in Phase 3 heißt Phase 3, nicht Phase 4 mit Erguss.
  • Die Kraft schätzen statt messen. Alltag funktioniert mit 65 Prozent Quadrizepskraft hervorragend. Ohne Dynamometer oder wenigstens gleichbleibenden Aufbau merkt es niemand.
  • Die Gegenseite als festen Maßstab behandeln. Sie baut ebenfalls ab. Ein Seitenvergleich, der sich verbessert, weil das gesunde Bein schwächer wird, ist kein Fortschritt.

Wo dieses Schema endet

Es endet nicht mit der Sportfreigabe. Der Umbau des Transplantats und neuromuskuläre Defizite können weit über das erste Jahr hinaus bestehen bleiben, und 74 Prozent aller Transplantatrisse fallen in die ersten zwei Jahre nach der Operation. Phase 5 hat deshalb kein Enddatum, sondern geht in dauerhaftes Krafttraining über.

Fragen, die wirklich gestellt werden

Was ist ein kriteriengestütztes Nachbehandlungsschema?
Ein Schema, in dem der Phasenwechsel an erfüllten Bedingungen hängt statt an einer Wochenzahl: kein Erguss, volle Streckung, eine bestimmte Kraftsymmetrie, ein sauberes Bewegungsmuster. Die AWMF-Leitlinie zur vorderen Kreuzbandruptur und die APTA-Leitlinie empfehlen beide diese Form der Progression.
Wie viele Phasen hat die Nachbehandlung nach einer Kreuzbandplastik?
Üblich sind fünf: Reizfreiheit und Streckung, Gangbild und Grundkraft, Kraftaufbau und Einbeinigkeit, Laufen und Springen, dann sportartspezifische Rückkehr. Die Zeitangaben dazu sind Orientierung, die Kriterien sind das Tor.
Was, wenn ich ein Kriterium in der vorgesehenen Zeit nicht erreiche?
Dann bleiben Sie in der Phase und arbeiten gezielt an dem, was fehlt. Das ist der Sinn der Kriterien. Weiterzugehen bedeutet, mit einem gemessenen Defizit in eine Belastung zu gehen, die es bestraft.
Ist dieses Schema für jede Operation gleich?
Nein. Eine Meniskusnaht bringt Belastungs- und Beugegrenzen für etwa sechs Wochen mit, ein Knorpeleingriff eine deutlich längere Entlastung. Die Vorgaben Ihrer Operateurin stehen über jedem allgemeinen Schema.