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Kreuzbandriss Reha
Krankschreibung, Krankengeld und Wiedereingliederung nach der Kreuzband-OP

Aktualisiert am 18. August 2026

Guide

Krankschreibung, Krankengeld und Wiedereingliederung nach der Kreuzband-OP

Wie lange Sie krankgeschrieben sind, hängt an Ihrer Arbeit und nicht an Ihrem Knie. Was Sie erwartet: sechs Wochen Entgeltfortzahlung, danach Krankengeld, und das Hamburger Modell für die Rückkehr in Stufen.

Das ist die Seite, die in den meisten Kreuzbandtexten fehlt, obwohl sie oft die teuerste Frage betrifft. Die Sportfreigabe kommt nach neun Monaten. Die Rückkehr an den Arbeitsplatz kommt viel früher, und sie folgt völlig anderen Regeln.

Wie lange krankgeschrieben?

Größenordnungen, keine Zusagen: die Krankschreibung stellt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt aus
TätigkeitÜbliche GrößenordnungWas das Tor ist
Bürotätigkeit, überwiegend sitzend2 bis 6 WochenSitzen mit hochgelegtem Bein, Anfahrt zum Arbeitsplatz, Schmerzmittel und Fahrtauglichkeit.
Stehende Tätigkeit, Verkauf, Pflege6 bis 12 WochenStehen über Stunden ohne Schwellung am Abend, Treppen, Tempo.
Handwerk, Bau, knieende Arbeit3 bis 6 MonateKnien, Hocken, Leitern, Lastentragen. Das sind die Bewegungen, die am längsten brauchen.
Berufe mit Zweikampf oder Einsatz6 bis 12 MonateHier nähert sich die berufliche Anforderung der sportlichen an, entsprechend gelten die sportlichen Kriterien.

Die kursierenden Durchschnittswerte halten nicht

Für die Kreuzbandreha zirkulieren Durchschnittsdauern der Arbeitsunfähigkeit, deren Herkunft sich nicht bis zu einer Erhebung zurückverfolgen lässt. Sie stehen deshalb nicht in der Tabelle oben: dort steht die Spanne nach Belastungsart, und Ihre Tätigkeit bewegt sie stärker als Ihr Transplantat.

Das Geld: sechs Wochen, dann Krankengeld

Die ersten sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit zahlt der Arbeitgeber das Entgelt fort (§ 3 EFZG). Ab der siebten Woche zahlt die Krankenkasse Krankengeld: 70 Prozent des Bruttoarbeitsentgelts, höchstens 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts, gedeckelt durch die Beitragsbemessungsgrenze, und davon gehen noch Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab. Wegen derselben Krankheit wird Krankengeld für höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren gezahlt.

Für eine lange Kreuzbandreha ist diese Lücke zwischen Netto und Krankengeld oft der größte Betrag des ganzen Jahres, größer als sämtliche Zuzahlungen zusammen. Sie steht deshalb bewusst nicht im Zuzahlungsrechner, denn sie ist keine Zuzahlung, sondern entgangenes Einkommen. Auf denselben Zettel gehört sie trotzdem.

Stufenweise Wiedereingliederung, das Hamburger Modell

Nach längerer Arbeitsunfähigkeit können Sie stufenweise wieder einsteigen (§ 74 SGB V, § 44 SGB IX). Sie gelten dabei weiterhin als arbeitsunfähig und beziehen weiter Krankengeld, während die Arbeitszeit über Wochen ansteigt, typischerweise von vier über sechs auf acht Stunden.

1

Der Plan kommt von der Ärztin

Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr Arzt stellt den Wiedereingliederungsplan aus: Stundenzahl je Woche, Dauer, Tätigkeitseinschränkungen.

2

Arbeitgeber und Kasse stimmen zu

Beide müssen zustimmen. Der Arbeitgeber ist nicht in jedem Fall verpflichtet; bei anerkannter Schwerbehinderung besteht ein Anspruch.

3

Sie bleiben arbeitsunfähig

Während der Maßnahme läuft das Krankengeld weiter, Sie erhalten kein anteiliges Gehalt vom Arbeitgeber.

4

Abbruch ist vorgesehen

Wenn es nicht geht, wird abgebrochen und der Plan angepasst. Das ist kein Scheitern, sondern der eingebaute Mechanismus.

Wenn der Riss ein Arbeitsunfall war

Passiert der Kreuzbandriss bei der Arbeit, auf dem Arbeitsweg oder in einer versicherten Tätigkeit, ist die Berufsgenossenschaft zuständig und nicht die Krankenkasse. Sie müssen einen Durchgangsarzt aufsuchen, die BG steuert das Heilverfahren, und statt Krankengeld gibt es Verletztengeld, das mit 80 Prozent des Regelentgelts höher liegt. Auch die Reha läuft anders: erweiterte ambulante Physiotherapie und berufsgenossenschaftliche stationäre Weiterbehandlung werden großzügiger bewilligt.

Der häufigste Fehler ist, in der Notaufnahme nicht zu sagen, dass es bei der Arbeit passiert ist. Das nachträglich zu korrigieren, kostet Wochen.

Anschlussrehabilitation

Nach der Operation kann eine Anschlussrehabilitation (AHB) stationär oder ambulant erfolgen. Bei stationärer AHB zahlen Sie als Erwachsener eine Zuzahlung von 10 Euro je Tag für höchstens 42 Tage im Kalenderjahr; bereits geleistete Zuzahlungen für Krankenhausbehandlung im selben Jahr werden angerechnet. Zuständig ist je nach Erwerbsstatus die Rentenversicherung oder die Krankenkasse, bei Arbeitsunfall die BG.

Eine AHB ist kein Automatismus und für viele nach einer Kreuzbandplastik auch nicht nötig. Die Alternative ist eine gute ambulante Physiotherapie in Wohnortnähe, notfalls als erweiterte ambulante Physiotherapie. Was das kostet, steht auf Kosten und Krankenkasse.

Auf dieser Seite zitierte Quellen

Jede Zahl auf dieser Seite stammt aus einer der folgenden Publikationen. Die Evidenzstufe ist jeweils genannt: eine nationale Leitlinie, eine Metaanalyse und eine Fallserie wiegen nicht gleich schwer.

  • Kotsifaki R, Korakakis V, King E, et al. Aspetar clinical practice guideline on rehabilitation after anterior cruciate ligament reconstruction. British Journal of Sports Medicine, 2023;57(9):500-514. Publikation lesen. Leitlinie nach der GRADE-Methodik: Progression nach objektiven Kriterien statt allein nach Kalender, frühe Kräftigung, ausdrückliche Kriterien für die Rückkehr zum Laufen und zum Sport.
  • van Melick N, van Cingel REH, Brooijmans F, et al. Evidence-based clinical practice update: practice guidelines for anterior cruciate ligament rehabilitation based on a systematic review and multidisciplinary consensus. British Journal of Sports Medicine, 2016;50(24):1506-1515. Publikation lesen. Systematische Übersichtsarbeit und multidisziplinärer Konsens. Die Rehabilitation soll kriterienbasiert erfolgen, die präoperative Vorbereitung, neuromuskuläres Training und Kraftaufbau einschließen und weit über die ersten Monate hinaus weitergeführt werden.
  • Krankschreibung, Entgeltfortzahlung und Krankengeld. Die ersten sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit zahlt der Arbeitgeber das Entgelt fort (§ 3 EFZG). Ab der siebten Woche zahlt die Krankenkasse Krankengeld: 70 Prozent des Bruttoarbeitsentgelts, höchstens aber 90 Prozent des Netto (§§ 44 bis 47 SGB V). 2026 liegt der Höchstbetrag bei 135,63 Euro je Kalendertag. Krankengeld gibt es für dieselbe Krankheit längstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren, wobei die sechs Wochen Entgeltfortzahlung mitzählen. Quelle: §§ 44 bis 47 SGB V, § 3 EFZG.
  • Stufenweise Wiedereingliederung (Hamburger Modell). Wer nach langer Arbeitsunfähigkeit zurückkehrt, kann stufenweise wieder einsteigen (§ 74 SGB V, § 44 SGB IX): Die Ärztin oder der Arzt erstellt einen Stufenplan, typischerweise über sechs Wochen bis sechs Monate, beginnend mit wenigen Stunden pro Tag. Während dieser Zeit läuft das Krankengeld weiter, ein Anspruch auf Arbeitsentgelt besteht grundsätzlich nicht. Der Arbeitgeber muss dem Plan zustimmen; einen Rechtsanspruch darauf gibt es außerhalb der Schwerbehinderung nicht. Quelle: § 74 SGB V, § 44 SGB IX.
  • Anschlussrehabilitation (AHB). Nach einer Kreuzbandoperation kann eine Anschlussrehabilitation stationär oder ambulant erfolgen. Bei stationärer AHB beträgt die Zuzahlung 10 Euro je Tag für höchstens 14 Tage im Kalenderjahr. Zuzahlungen, die im selben Kalenderjahr bereits für eine Krankenhausbehandlung oder eine andere medizinische Rehabilitation geleistet wurden, werden angerechnet. Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Anschlussrehabilitation und Zuzahlung.

Zum vollständigen Literaturverzeichnis

Fragen, die wirklich gestellt werden

Wie lange ist man nach einer Kreuzband-OP krankgeschrieben?
Das hängt an Ihrer Tätigkeit, nicht am Knie. Sitzende Bürotätigkeit meist zwei bis sechs Wochen, stehende Berufe sechs bis zwölf Wochen, knieende und tragende Tätigkeiten drei bis sechs Monate. Die Krankschreibung stellt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt aus, und sie richtet sich nach dem, was Ihre konkrete Arbeit verlangt.
Wie viel Krankengeld bekomme ich?
70 Prozent des Bruttoarbeitsentgelts, höchstens 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts, begrenzt durch die Beitragsbemessungsgrenze, und davon gehen noch Sozialversicherungsbeiträge ab. Die ersten sechs Wochen zahlt davor der Arbeitgeber das volle Entgelt fort.
Was ist das Hamburger Modell?
Die stufenweise Wiedereingliederung nach § 74 SGB V: Sie bleiben arbeitsunfähig und beziehen weiter Krankengeld, während die Arbeitszeit über Wochen ansteigt, etwa von vier über sechs auf acht Stunden. Den Plan stellt Ihre Ärztin aus, Arbeitgeber und Krankenkasse müssen zustimmen.
Was ändert sich, wenn der Riss ein Arbeitsunfall war?
Dann ist die Berufsgenossenschaft zuständig. Sie müssen zu einem Durchgangsarzt, die BG steuert das Heilverfahren, und statt Krankengeld erhalten Sie Verletztengeld mit 80 Prozent des Regelentgelts. Sagen Sie es schon in der Notaufnahme, sonst ist die Korrektur mühsam.

App zur Reha-Nachverfolgung

Wo steht Ihr Knie gerade wirklich?

Kreuzbandriss Reha trägt die Zahlen auf, auf die diese Seite immer wieder zeigt: Ihre Kraftwerte, Ihre vier Sprungtests, Ihren ACL-RSI-Wert und Ihren Ergussgrad, gegen die Schwellen, von Woche eins bis Jahr zwei. Eine E-Mail-Adresse, höchstens zwei Nachrichten bis zum Start.

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