Praxis
Alltag nach der Kreuzband-OP
Schlafen, Duschen, Treppen, Autofahren, Arbeiten und die flaue Phase, vor der niemand warnt. Die praktische Hälfte der ersten drei Monate.
Über Beweglichkeit und Quadrizepsansteuerung steht überall etwas. Wie Sie auf einem Bein in die Dusche kommen, wie Sie schlafen, wenn das Knie nicht zur Ruhe kommt, und was Sie in Woche fünf machen, wenn die Sache einfach nur noch nervt, steht nirgends. Diese Seite ist die praktische Hälfte der ersten drei Monate, in der Reihenfolge, in der Sie ihr begegnen.
Die erste Woche: das Bein fährt mit
- Hochlagern schlägt alles. Das Sprunggelenk über Herzhöhe, auf Kissen, mehrmals täglich. Die Schwellung der ersten Woche bestimmt die Beweglichkeit der zweiten.
- Kühlen nach Plan, nicht nach Bedarf. Zwanzig Minuten, ein Tuch zwischen Kühlelement und Haut, mehrfach über den Tag verteilt. Wer wartet, bis es weh tut, läuft hinterher.
- Der Schlaf ist das Schwerste. Ein bis zwei Wochen schlecht zu schlafen ist normal. Auf dem Rücken, mit unterstützter Wade und gestrecktem Knie, ist die Position, die die Streckung schützt. Ein Kissen unter dem Knie fühlt sich wunderbar an und kostet genau die Streckung, um die es geht.
- Verstopfung ist ein echtes Thema. Schmerzmittel plus Bewegungsmangel führen dazu. Trinken, Ballaststoffe und früh ein mildes Abführmittel ersparen eine unangenehme Woche.
- Der Quadrizeps wird stündlich angesprochen. Anspannungsübungen, Fersenrutschen im freigegebenen Rahmen, Sprunggelenkspumpen. Kein Training, sondern Erhalt.
Strecken ist wichtiger als Beugen
Die Beugung kommt fast immer zurück. Eine einmal verlorene volle Streckung zurückzuholen ist schwer und gelingt nicht immer. Deshalb ist in den ersten zwei Wochen alles auf ein Knie ausgerichtet, das vollständig gerade wird.
Duschen, Anziehen, Bad
Ein Duschhocker macht aus der schwierigsten Aufgabe des Tages eine machbare. Halten Sie den Verband so trocken, wie es Ihnen gesagt wurde, und rechnen Sie damit, die erste Woche im Sitzen zu waschen. Beim Anziehen gilt: das operierte Bein zuerst in die Hose und zuletzt heraus. Ein Greifzangenhelfer, ein langer Schuhlöffel und Schuhe ohne Schnürsenkel nehmen drei kleine tägliche Kämpfe aus dem Weg.
Treppen, Türen, fremde Wohnungen
Hinauf führt das gesunde Bein, hinunter das operierte, die Stützen gehen mit dem operierten Bein. Die eigentlichen Gefahren der ersten zwei Wochen sind nicht die Übungen, sondern Türen, die auf Sie zugehen, Teppichkanten, Türschwellen und Haustiere.
Auto: als Beifahrer und am Steuer
Als Beifahrer steigen Sie leichter ein, wenn der Sitz ganz nach hinten geschoben ist: erst hinsetzen, dann das Bein nachziehen. Für die Fahrt nach Hause lohnt es sich, das Bein gestreckt und hochgelagert unterzubringen.
Selbst fahren ist eine eigene Frage, und es gibt kein allgemeingültiges Datum. Es hängt davon ab, welches Knie operiert wurde, ob das Fahrzeug eine Automatik hat, ob Sie noch opioidhaltige Schmerzmittel nehmen und ob Sie eine Vollbremsung ohne Zögern schaffen. Der ehrliche Test ist eine Vollbremsung auf einem leeren Parkplatz in Begleitung, bevor Sie zum ersten Mal wirklich fahren. Wer zögert, ist zu früh dran. Rechtlich sind Sie selbst dafür verantwortlich, ein Fahrzeug sicher zu führen.
Woche zwei bis sechs: die zähe Mitte
Die Stützen gehen schrittweise
Zwei, dann eine, dann keine, gesteuert über das Hinken. Ohne Stützen zu hinken ist schlechter als mit einer sauber zu gehen.
Die Schwellung kommt und geht
Ein Knie, das nach der Einheit anschwillt, sagt etwas. Notieren Sie es, denn ein wiederkehrender Erguss ist das früheste Zeichen, dass die Belastung dem Gewebe vorausläuft.
Sitzen ist nicht umsonst
Lange mit gebeugtem Knie und hängendem Bein zu sitzen macht steif und dick. Jede halbe Stunde aufstehen, und das Bein hochlegen, wenn Sie länger sitzen.
Der Schlaf wird besser
Meist in der zweiten oder dritten Woche. Bis dahin hilft es mehr, gekühlt und hochgelagert ins Bett zu gehen, als noch eine Tablette zu nehmen.
Die Narbe verändert sich ein Jahr lang
Monatelang rot und erhaben, dann blass. Sobald sie geschlossen ist, hält sanfte Massage das Gewebe verschieblich, und Sonnenschutz im ersten Jahr verhindert eine dauerhaft dunkle Linie.
Appetit und Gewicht
Der Energiebedarf sinkt, der Appetit oft nicht. In dieser Phase kommt still das Gewicht dazu, das der Quadrizeps danach mittragen muss.
Der Teil, vor dem niemand warnt
Irgendwann zwischen Woche vier und Woche acht ist die Neuheit weg. Die Schmerzen sind vorbei, die interessanten Etappen liegen hinter Ihnen, das Knie sieht normal aus und funktioniert nicht, und es liegen noch Monate derselben Übungen vor Ihnen. Die meisten beschreiben das als flau, nicht als schmerzhaft, und genau in dieser Zeit werden Programme still aufgegeben.
Die psychologische Seite davon ist messbar und keine Charakterfrage. Die ACL-RSI-Skala wurde entwickelt, weil Zuversicht und Angst vor einer erneuten Verletzung eine eigene Dimension der Genesung sind, und spätere Arbeiten fanden einen Zusammenhang zwischen geringerer psychologischer Bereitschaft und erneuter Verletzung. Eine flaue Phase als normalen Teil des Verlaufs zu behandeln und etwas Konkretes zu haben, das Fortschritt sichtbar macht, hält Menschen im Programm.
Arbeit, soziales Leben, Reisen
- Bürotätigkeit ist oft früh möglich, mit hochgelagertem Bein und Bewegungspausen. Die Wiedereingliederung und das Krankengeld stehen im Detail auf der Seite Krankschreibung und Wiedereingliederung.
- Körperliche Arbeit ist eine andere Diskussion, die Operateur, Betriebsarzt und Arbeitgeber zusammenbringt, statt sie zu schätzen.
- Fliegen in den ersten Wochen bedeutet ein steifes, geschwollenes Knie und Bewegungsmangel. Gangplatz, regelmäßig aufstehen, und vor einer Langstrecke im ersten Monat den Operateur fragen.
- Alkohol verträgt sich schlecht mit Schmerzmitteln und mit dem Schlaf, der in den ersten zwei Wochen die knappste Ressource ist.
- Sagen Sie zu, wo Sie sitzen können. Vereinsamung ist die unterschätzte Komplikation des zweiten Monats.
Was normal ist und was ein Anruf ist
| Was Sie bemerken | Meistens | Noch am selben Tag anrufen, wenn |
|---|---|---|
| Schwellung | Steigt und fällt wochenlang mit der Belastung | Sie plötzlich auftritt, mit Überwärmung und zunehmendem Schmerz |
| Taube Stelle neben der Narbe | Häufig und oft dauerhaft, von einem kleinen Hautnerv | Sie sich ausbreitet oder mit Schwäche einhergeht |
| Knacken im Gelenk | In den ersten Monaten häufig | Das Knie blockiert oder nicht mehr gerade wird |
| Spannung in der Wade | Nach Bewegungsmangel häufig | Eine Wade einseitig geschwollen, warm oder druckschmerzhaft ist |
| Fieber | Nicht zu erwarten | Jedes Fieber mit geröteter, warmer oder nässender Wunde |
Nach drei Monaten
Dann ist der Alltag meist wieder gewöhnlich: Treppen ohne nachzudenken, Autofahren, ein ganzer Arbeitstag, Gehen so weit Sie wollen. Genau dann fühlt sich das Knie deutlich besser an, als es ist, und genau dort entscheidet sich das Risiko. Was danach kommt, hat mit dem Alltag nichts mehr zu tun, sondern mit Kraftsymmetrie, Sprungtests und den Kriterien auf der Seite Return-to-Sport-Tests.