Guide
Reha nach Kreuzbandriss: die Dauer, Woche für Woche
Vom Aufwachraum bis zum zweiten Jahr, mit dem, was in jedem Abschnitt tatsächlich zu tun ist, und der ehrlichen Auskunft darüber, welche Termine an Kriterien hängen und welche am Kalender.
Die kurze Antwort, die alle suchen: Gehen ohne Gehstützen meist nach zwei bis vier Wochen, Radfahren ab Woche sechs bis acht, Laufen ab Woche zwölf bis sechzehn, Zweikampf- und Stop-and-go-Sport frühestens nach neun Monaten. Die längere Antwort ist der Grund, warum diese Seite existiert: Jeder dieser Termine ist ein Tor mit Bedingungen, und wer eine Bedingung überspringt, bezahlt sie später.
Phase 1, Woche 0 bis 2: das Knie beruhigen
Die Aufgabe in diesen vierzehn Tagen ist klein und unspektakulär, und sie entscheidet mehr über den Rest als alles, was danach kommt: Schwellung runter, volle Streckung zurück, Quadrizeps aufwecken.
- Volle Streckung im Vergleich zur Gegenseite. Nicht fast voll. Ein Streckdefizit, das man in Woche zwei stehen lässt, ist in Woche zwölf ein Projekt und in Monat sechs ein Grund, warum das Gangbild nicht stimmt.
- Willkürliche Quadrizepsansteuerung. Die Kniescheibe muss sich auf Kommando bewegen. Bleibt sie stumm, ist Elektrostimulation ein Thema und keine Spielerei.
- Schwellung sichtbar rückläufig. Ein Gelenk mit Erguss hemmt den Quadrizeps reflektorisch. Wer nur kräftigt und die Schwellung ignoriert, trainiert gegen eine Bremse.
- Beugung Richtung 90 Grad, sofern die Operateurin keine anderen Vorgaben gemacht hat, etwa nach einer Meniskusnaht.
Meniskusnaht ändert alles in diesem Abschnitt
Wurde der Meniskus genäht statt getrimmt, gelten meist eine Belastungsbegrenzung und eine Beugegrenze für sechs Wochen. Diese Vorgabe steht über jeder allgemeinen Angabe auf dieser Seite, auch über den Zahlen in diesem Abschnitt. Fragen Sie im Arztbrief nach, was genau am Meniskus gemacht wurde, und tragen Sie es in Ihr Reha-Heft ein.
Phase 2, Woche 3 bis 6: Gehen ohne darüber nachzudenken
Der Gehstützenabbau ist keine Willensfrage. Er gelingt, wenn das Gangbild symmetrisch ist: gleiche Schrittlänge, gleiche Standzeit, keine Ausweichbewegung über die Hüfte. Ein hinkender Gang, den man vier Wochen lang übt, ist ein Bewegungsmuster, das man später wieder abtrainieren muss.
Trainiert wird hier beidbeinig und in kontrollierter Bahn: Beinpresse in sicherem Winkelbereich, Kniestreckung nach Vorgabe, Wadenarbeit, Gesäßmuskulatur, Rumpf. Die Gegenseite wird mittrainiert, und zwar richtig, nicht als Alibi.
Phase 3, Woche 6 bis 12: Kraft, gemessen statt geschätzt
Ab hier trennt sich, wer gemessen wird, von wem es sich gut anfühlt. Die Quadrizepskraft ist die aussagekräftigste Einzelzahl der ganzen Nachbehandlung, und ohne Messung merkt niemand, dass das operierte Bein bei 65 Prozent steht, weil Alltagsbewegungen mit 65 Prozent wunderbar funktionieren.
Radfahren wird meist in Woche sechs bis acht möglich, sobald die Beugung reicht und das Gelenk reizlos ist. Es ist der erste Ausdauerreiz, der nichts kostet.
Was in Woche 12 gemessen werden sollte
Quadrizeps- und ischiokrurale Kraft im Seitenvergleich, Beweglichkeit in beide Richtungen, Ergussgrad nach Stroke-Test. Drei Messungen, zehn Minuten, und sie bestimmen, ob der Laufaufbau in vier Wochen realistisch ist oder eine Wunschvorstellung. Der Seitenvergleich-Rechner macht aus zwei Werten die Zahl, um die es geht.
Phase 4, Woche 12 bis 24: laufen, springen, landen
Der Laufbeginn ist das am häufigsten missverstandene Tor der ganzen Reha. Er ist kein Kalenderereignis in Woche zwölf, sondern die Folge von vier Bedingungen: reizloses Knie ohne Erguss, volle Streckung, symmetrisches Gangbild und Quadrizepskraft um 80 Prozent der Gegenseite. Wer ohne diese vier losläuft, produziert einen Reizerguss, und der kostet mehr Wochen, als das Warten gekostet hätte.
Danach kommen Sprünge, und zwar in dieser Reihenfolge: beidbeinig auf der Stelle, beidbeinig mit Richtungswechsel, einbeinig gerade, einbeinig seitlich, dann Landungen aus der Höhe. Wie gelandet wird, ist wichtiger als wie hoch gesprungen wird.
Phase 5, Monat 6 bis 9: das Tor, an dem die Zahlen stehen
Hier steht die Testbatterie, und hier steht auch die unbequemste Zahl der ganzen Literatur. In der Delaware-Oslo-Kohorte sank die Rate erneuter Verletzungen um 51 Prozent je Monat, um den die Rückkehr hinausgeschoben wurde, bis zum neunten Monat. In einer schwedischen Registerkohorte mit 159 Sportlerinnen und Sportlern zwischen 15 und 30 Jahren war die Rückkehr in knieintensiven Sport vor dem neunten Monat mit einer Hazard Ratio von 6,7 verbunden.
Die vollständige Testbatterie steht auf der Testseite, und den Selbstcheck mit neun Kriterien finden Sie unter Knie-Check.
Nach der Freigabe: Monat 9 bis Jahr 2
Die Sportfreigabe ist keine Ziellinie. In einer Serie von 316 Patientinnen und Patienten rissen die Transplantate im Mittel 1,8 Jahre nach der Operation, 47 Prozent im ersten Jahr und 74 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Wer im Monat der Freigabe das Krafttraining einstellt, hört genau dann auf, wenn das Risiko am höchsten ist.
Zwei Einheiten Kraft pro Woche, dazu Sprung- und Landungsarbeit im Aufwärmen, bis zum Ende des zweiten Jahres. Das ist der ganze Aufwand, und er ist kleiner als eine zweite Operation.
Was die Dauer im Einzelfall verschiebt
| Faktor | Wirkung auf den Verlauf |
|---|---|
| Meniskusnaht | Belastungs- und Beugegrenzen für etwa sechs Wochen, alles Weitere verschiebt sich entsprechend nach hinten. |
| Knorpeleingriff | Deutlich längere Entlastungsphase, oft mehrere Monate bis zum Laufen. |
| Transplantatwahl | Patellarsehne belastet den vorderen Knieschmerz stärker, Semitendinosus die Beugekraft. Der Gesamtzeitplan ändert sich wenig. |
| Alter unter 20 | Höchstes Risiko einer zweiten Verletzung, deshalb eher später und mit strengeren Kriterien zurück, nicht früher. |
| Beruf mit Kniebelastung | Verschiebt die Rückkehr an den Arbeitsplatz, nicht die Sportfreigabe. Zwei getrennte Fragen, die oft vermischt werden. |
| Reizerguss zwischendurch | Wirft die Kraftarbeit um zwei bis vier Wochen zurück, jedes Mal. |