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Kreuzband-OP: der Ablauf, Schritt für Schritt
Was am Operationstag wirklich passiert: Aufklärung, Narkose, Arthroskopie, Sehnenentnahme, Fixation, und warum der Meniskusbefund Ihre ersten sechs Wochen bestimmt.
Die Kreuzbandplastik ist der am besten planbare Teil der ganzen Sache. Sie dauert etwa eine Stunde, sie ist in Deutschland Routine, und trotzdem weiß kaum jemand, was an diesem Tag tatsächlich passiert. Diese Seite beschreibt den Ablauf in der Reihenfolge, in der Sie ihn erleben: vom Aufklärungsgespräch bis zu dem Papier, das Sie mit nach Hause nehmen und das die nächsten sechs Monate bestimmt.
Was bei der Operation wirklich gemacht wird
Das gerissene Kreuzband wird nicht genäht. Es wird ersetzt. Der Operateur entnimmt eine Sehne, formt daraus ein Transplantat, bohrt einen Kanal durch das Schienbein und einen durch den Oberschenkelknochen, zieht das Transplantat hindurch und fixiert es an beiden Enden. Der Rest des Eingriffs läuft arthroskopisch über zwei kleine Zugänge, der größere Schnitt ist der für die Sehnenentnahme.
Das Transplantat ist am Anfang stärker als das Original, und wird dann schwächer
Es durchläuft eine Umbauphase, in der es zunächst an Festigkeit verliert, bevor es sich wieder aufbaut. Genau deshalb ist der Zeitpunkt der Rückkehr zum Sport keine Frage des Gefühls, sondern eine Frage von Kriterien und von Monaten. Die Wahl des Transplantats ist ein eigenes Thema und steht auf der Seite Transplantat-Wahl.
Vorher: Aufklärung, Narkose, Nüchternheit
- Das Aufklärungsgespräch ist der Moment für Ihre Fragen, nicht der Morgen der Operation. Welches Transplantat, warum dieses, was ist mit dem Meniskus geplant, ambulant oder stationär.
- Die Anästhesie wählen Sie mit: Vollnarkose oder Spinalanästhesie. Beides ist etabliert, und die Entscheidung fällt im Narkosegespräch.
- Nüchtern heißt in der Regel sechs Stunden keine feste Nahrung und zwei Stunden keine klaren Flüssigkeiten. Die genauen Zeiten gibt Ihnen die Klinik.
- Prähabilitation. Ein Knie, das vor der Operation gestreckt werden kann, nicht geschwollen ist und einen ansprechbaren Quadrizeps hat, startet danach messbar besser. Das ist der Sinn der Prähabilitation.
- Organisatorisches wird oft vergessen: Krückenhöhe, jemand der Sie abholt, das Essen für die ersten Tage, die Physiotherapie-Verordnung für nach der Entlassung.
Der Ablauf am Operationstag
Aufnahme
Papiere, Umziehen, Markierung des richtigen Beins durch den Operateur. Diese Markierung ist Standard und Sie sollten sie sehen.
Narkoseeinleitung
Zugang, Monitoring, oft zusätzlich eine Nervenblockade zur Schmerzausschaltung für die ersten Stunden.
Arthroskopie
Zuerst die Inspektion des ganzen Gelenks. Hier entscheidet sich, was mit dem Meniskus und dem Knorpel gemacht wird.
Sehnenentnahme
Semitendinosus, Patellarsehne oder Quadrizepssehne, je nach geplanter Technik. Der größere der Schnitte.
Bohrkanäle und Fixation
Tibial und femoral, dann das Einziehen und Fixieren des Transplantats bei definierter Spannung.
Aufwachraum
Überwachung, erste Schmerztherapie, Kühlung. Danach Station oder, bei ambulanter Operation, nach Hause.
Der Meniskus entscheidet über Ihre ersten sechs Wochen
Der wichtigste Satz des Operationsberichts betrifft oft nicht das Kreuzband, sondern den Meniskus. Ob genäht oder teilreseziert wurde, ändert die Belastung, die Beugung und den ganzen Zeitplan der ersten Wochen.
| Befund | Was gemacht wird | Folge für die ersten Wochen |
|---|---|---|
| Meniskus unauffällig | Nichts | Belastung nach Maßgabe der Beschwerden, Beugung frei nach Schema |
| Naht | Der Riss wird refixiert | Teilbelastung und begrenzte Beugung über mehrere Wochen, kein tiefes Beugen unter Last |
| Teilresektion | Der instabile Anteil wird entfernt | Meist rasche Vollbelastung, dafür weniger Meniskusgewebe auf Dauer |
| Knorpelschaden | Glättung oder eigenes Verfahren | Eigener Belastungsplan, der alles andere überlagert |
Aufwachen, erste Nacht, erste Tage
Die Nervenblockade hält einige Stunden. Das Unangenehme daran ist, dass ihr Nachlassen oft in die Nacht fällt, weshalb die Schmerzmedikation vor dem Nachlassen genommen wird und nicht danach. Hochlagern und Kühlen sind in den ersten Tagen wirksamer als jede zusätzliche Tablette, und die Schwellung der ersten Woche entscheidet mit darüber, wie schnell die Beweglichkeit zurückkommt.
Wann Sie sofort anrufen
Zunehmender statt abnehmender Schmerz, Fieber, eine gerötete oder nässende Wunde, eine einseitig geschwollene, warme oder druckschmerzhafte Wade, oder Taubheit und Blässe des Fußes. Das sind keine Wartefragen.
Der Operationsbericht gehört Ihnen
Fragen Sie danach, und lesen Sie ihn. Vier Punkte bestimmen die nächsten Monate: welches Transplantat, was mit dem Meniskus gemacht wurde, wie die Fixation erfolgte und welche Belastungsfreigabe der Operateur schreibt. Jede Physiotherapeutin und jeder Physiotherapeut arbeitet damit besser als mit Ihrer Erinnerung an das Entlassungsgespräch. Die deutschsprachige S1-Leitlinie zur vorderen Kreuzbandruptur ordnet die Indikation und das Vorgehen ein und ist frei zugänglich.
Was die Operation nicht leistet
Sie stellt die mechanische Stabilität wieder her. Sie stellt weder die Kraft noch die Ansteuerung des Quadrizeps wieder her, und sie macht das Knie nicht zu einem unverletzten Knie. Das Arthroserisiko bleibt nach einer Knieverletzung erhöht, und ob operiert wurde, ändert daran weniger als oft angenommen. Was danach passiert, steht im Nachbehandlungsschema, und der Zeitpunkt der Rückkehr zum Sport wird über Kriterien entschieden, nicht über den Kalender.