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Kreuzbandriss Reha

Aktualisiert am 19. August 2026

Guide

Kreuzband-OP: der Ablauf, Schritt für Schritt

Was am Operationstag wirklich passiert: Aufklärung, Narkose, Arthroskopie, Sehnenentnahme, Fixation, und warum der Meniskusbefund Ihre ersten sechs Wochen bestimmt.

Die Kreuzbandplastik ist der am besten planbare Teil der ganzen Sache. Sie dauert etwa eine Stunde, sie ist in Deutschland Routine, und trotzdem weiß kaum jemand, was an diesem Tag tatsächlich passiert. Diese Seite beschreibt den Ablauf in der Reihenfolge, in der Sie ihn erleben: vom Aufklärungsgespräch bis zu dem Papier, das Sie mit nach Hause nehmen und das die nächsten sechs Monate bestimmt.

Was bei der Operation wirklich gemacht wird

Das gerissene Kreuzband wird nicht genäht. Es wird ersetzt. Der Operateur entnimmt eine Sehne, formt daraus ein Transplantat, bohrt einen Kanal durch das Schienbein und einen durch den Oberschenkelknochen, zieht das Transplantat hindurch und fixiert es an beiden Enden. Der Rest des Eingriffs läuft arthroskopisch über zwei kleine Zugänge, der größere Schnitt ist der für die Sehnenentnahme.

Das Transplantat ist am Anfang stärker als das Original, und wird dann schwächer

Es durchläuft eine Umbauphase, in der es zunächst an Festigkeit verliert, bevor es sich wieder aufbaut. Genau deshalb ist der Zeitpunkt der Rückkehr zum Sport keine Frage des Gefühls, sondern eine Frage von Kriterien und von Monaten. Die Wahl des Transplantats ist ein eigenes Thema und steht auf der Seite Transplantat-Wahl.

Vorher: Aufklärung, Narkose, Nüchternheit

  • Das Aufklärungsgespräch ist der Moment für Ihre Fragen, nicht der Morgen der Operation. Welches Transplantat, warum dieses, was ist mit dem Meniskus geplant, ambulant oder stationär.
  • Die Anästhesie wählen Sie mit: Vollnarkose oder Spinalanästhesie. Beides ist etabliert, und die Entscheidung fällt im Narkosegespräch.
  • Nüchtern heißt in der Regel sechs Stunden keine feste Nahrung und zwei Stunden keine klaren Flüssigkeiten. Die genauen Zeiten gibt Ihnen die Klinik.
  • Prähabilitation. Ein Knie, das vor der Operation gestreckt werden kann, nicht geschwollen ist und einen ansprechbaren Quadrizeps hat, startet danach messbar besser. Das ist der Sinn der Prähabilitation.
  • Organisatorisches wird oft vergessen: Krückenhöhe, jemand der Sie abholt, das Essen für die ersten Tage, die Physiotherapie-Verordnung für nach der Entlassung.

Der Ablauf am Operationstag

1

Aufnahme

Papiere, Umziehen, Markierung des richtigen Beins durch den Operateur. Diese Markierung ist Standard und Sie sollten sie sehen.

2

Narkoseeinleitung

Zugang, Monitoring, oft zusätzlich eine Nervenblockade zur Schmerzausschaltung für die ersten Stunden.

3

Arthroskopie

Zuerst die Inspektion des ganzen Gelenks. Hier entscheidet sich, was mit dem Meniskus und dem Knorpel gemacht wird.

4

Sehnenentnahme

Semitendinosus, Patellarsehne oder Quadrizepssehne, je nach geplanter Technik. Der größere der Schnitte.

5

Bohrkanäle und Fixation

Tibial und femoral, dann das Einziehen und Fixieren des Transplantats bei definierter Spannung.

6

Aufwachraum

Überwachung, erste Schmerztherapie, Kühlung. Danach Station oder, bei ambulanter Operation, nach Hause.

Der Meniskus entscheidet über Ihre ersten sechs Wochen

Der wichtigste Satz des Operationsberichts betrifft oft nicht das Kreuzband, sondern den Meniskus. Ob genäht oder teilreseziert wurde, ändert die Belastung, die Beugung und den ganzen Zeitplan der ersten Wochen.

Was der Meniskusbefund für die Nachbehandlung bedeutet
BefundWas gemacht wirdFolge für die ersten Wochen
Meniskus unauffälligNichtsBelastung nach Maßgabe der Beschwerden, Beugung frei nach Schema
NahtDer Riss wird refixiertTeilbelastung und begrenzte Beugung über mehrere Wochen, kein tiefes Beugen unter Last
TeilresektionDer instabile Anteil wird entferntMeist rasche Vollbelastung, dafür weniger Meniskusgewebe auf Dauer
KnorpelschadenGlättung oder eigenes VerfahrenEigener Belastungsplan, der alles andere überlagert

Aufwachen, erste Nacht, erste Tage

Die Nervenblockade hält einige Stunden. Das Unangenehme daran ist, dass ihr Nachlassen oft in die Nacht fällt, weshalb die Schmerzmedikation vor dem Nachlassen genommen wird und nicht danach. Hochlagern und Kühlen sind in den ersten Tagen wirksamer als jede zusätzliche Tablette, und die Schwellung der ersten Woche entscheidet mit darüber, wie schnell die Beweglichkeit zurückkommt.

Wann Sie sofort anrufen

Zunehmender statt abnehmender Schmerz, Fieber, eine gerötete oder nässende Wunde, eine einseitig geschwollene, warme oder druckschmerzhafte Wade, oder Taubheit und Blässe des Fußes. Das sind keine Wartefragen.

Der Operationsbericht gehört Ihnen

Fragen Sie danach, und lesen Sie ihn. Vier Punkte bestimmen die nächsten Monate: welches Transplantat, was mit dem Meniskus gemacht wurde, wie die Fixation erfolgte und welche Belastungsfreigabe der Operateur schreibt. Jede Physiotherapeutin und jeder Physiotherapeut arbeitet damit besser als mit Ihrer Erinnerung an das Entlassungsgespräch. Die deutschsprachige S1-Leitlinie zur vorderen Kreuzbandruptur ordnet die Indikation und das Vorgehen ein und ist frei zugänglich.

Was die Operation nicht leistet

Sie stellt die mechanische Stabilität wieder her. Sie stellt weder die Kraft noch die Ansteuerung des Quadrizeps wieder her, und sie macht das Knie nicht zu einem unverletzten Knie. Das Arthroserisiko bleibt nach einer Knieverletzung erhöht, und ob operiert wurde, ändert daran weniger als oft angenommen. Was danach passiert, steht im Nachbehandlungsschema, und der Zeitpunkt der Rückkehr zum Sport wird über Kriterien entschieden, nicht über den Kalender.

Auf dieser Seite zitierte Quellen

Jede Zahl auf dieser Seite stammt aus einer der folgenden Publikationen. Die Evidenzstufe ist jeweils genannt: eine nationale Leitlinie, eine Metaanalyse und eine Fallserie wiegen nicht gleich schwer.

  • AWMF-Leitlinie zur vorderen Kreuzbandruptur. Die deutsche Leitlinie zur vorderen Kreuzbandruptur trägt die AWMF-Registernummer 012-005 und hat den Entwicklungsgrad S1, also Expertenkonsens ohne systematische Evidenzaufbereitung. Der letzte veröffentlichte Stand datiert vom 15. September 2018 und war bis zum 14. September 2023 gültig; die Leitlinie ist abgelaufen und wird überarbeitet. Das erklärt, warum Nachbehandlungsschemata zwischen deutschen Kliniken so weit auseinandergehen: es gibt derzeit keinen gültigen nationalen Standard, an dem sie sich ausrichten müssten. Quelle: AWMF-Leitlinienregister, Registernummer 012-005.
  • Kotsifaki R, Korakakis V, King E, et al. Aspetar clinical practice guideline on rehabilitation after anterior cruciate ligament reconstruction. British Journal of Sports Medicine, 2023;57(9):500-514. Publikation lesen. Leitlinie nach der GRADE-Methodik: Progression nach objektiven Kriterien statt allein nach Kalender, frühe Kräftigung, ausdrückliche Kriterien für die Rückkehr zum Laufen und zum Sport.
  • Logerstedt DS, Scalzitti D, Risberg MA, et al.. Knee stability and movement coordination impairments: knee ligament sprain revision 2017. Clinical practice guidelines linked to the International Classification of Functioning, Disability and Health. Journal of Orthopaedic and Sports Physical Therapy, 2017;47(11):A1-A47. PubMed 29089004. Leitlinie der Academy of Orthopaedic Physical Therapy (APTA). International, nicht deutsch, aber ausführlicher als die abgelaufene AWMF-S1-Leitlinie.
  • Kaeding CC, Aros B, Pedroza A, et al. (MOON Group). Allograft versus autograft anterior cruciate ligament reconstruction: predictors of failure from a MOON prospective longitudinal cohort. Sports Health, 2011;3(1):73-81. PubMed 23015994. Prospektive multizentrische MOON-Kohorte.
  • Poulsen E, Goncalves GH, Bricca A, Roos EM, Thorlund JB, Juhl CB. Knee osteoarthritis risk is increased 4-6 fold after knee injury: a systematic review and meta-analysis. British Journal of Sports Medicine, 2019;53(23):1454-1463. Publikation lesen. Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse, 53 Studien, rund eine Million Teilnehmende. Das Risiko einer Kniearthrose ist nach einer Kreuzbandverletzung um das 4,2-Fache und nach einer Meniskusverletzung um das 6,3-Fache erhöht, bei mindestens zwei Jahren Nachbeobachtung.

Fragen, die wirklich gestellt werden

Wie lange dauert eine Kreuzband-OP?
Der eigentliche Eingriff dauert meist etwa eine Stunde, bei zusätzlicher Meniskusnaht länger. Mit Vorbereitung, Narkoseeinleitung und Aufwachraum sollten Sie für den Tag deutlich mehr Zeit einplanen.
Ambulant oder stationär?
Beides ist üblich und hängt von der Klinik, den Begleitverletzungen, den Vorerkrankungen und der Versorgung zu Hause ab. Bei einer Meniskusnaht mit Teilbelastung und bei alleinlebenden Patienten wird häufiger stationär entschieden.
Wird das gerissene Kreuzband genäht?
In der Regel nicht. Es wird durch ein Sehnentransplantat ersetzt. Nahtverfahren und konservative Protokolle sind Gegenstand aktueller Forschung, aber der Standard ist die Ersatzplastik.
Bekomme ich eine Schiene?
Das hängt vom Operateur und vom Befund ab. Nach einer Meniskusnaht wird die Beugung häufig über Wochen begrenzt, nach einer isolierten Kreuzbandplastik verzichten viele Kliniken auf eine Schiene. Maßgeblich ist das, was im Operationsbericht steht.
Was muss ich nach der Entlassung dabei haben?
Den Operationsbericht, die Belastungsfreigabe, die Physiotherapie-Verordnung, die Schmerzmedikation, die Thromboseprophylaxe und den Termin zur Wundkontrolle. Fehlt die Verordnung, verlieren Sie die ersten wertvollen Wochen.