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Kreuzbandriss Reha

Aktualisiert am 18. August 2026

Guide

Physiotherapie nach Kreuzband-OP: Verordnung, EAP und Zuzahlung

Wie viele Behandlungen Sie bekommen, wer sie verordnet, was die erweiterte ambulante Physiotherapie ist und was am Ende auf Ihrer Rechnung steht.

Nach einer Kreuzbandplastik ist die Physiotherapie kein Beiwerk, sondern die Behandlung. Das Transplantat wird operiert, die Funktion wird trainiert. Trotzdem verbringen viele die ersten Wochen damit, herauszufinden, wie sie überhaupt an genug Termine kommen.

Wer verordnet und wie viel

Die Verordnung stellt in der Regel die operierende Klinik für die erste Zeit aus, danach übernimmt die Hausärztin oder die niedergelassene Orthopädin. Der Zustand nach Kreuzbandplastik fällt unter den langfristigen Heilmittelbedarf, was bedeutet: Die Verordnungen belasten das Praxisbudget nicht in der üblichen Weise, und die Zahl der Einheiten ist großzügiger als bei einer akuten Beschwerde. Wenn eine Praxis zögert, ist dieser Punkt das Argument.

Was verordnet werden kann

Krankengymnastik (KG)
Die Grundleistung: manuelle Techniken, Übungen, Gangschulung, Beweglichkeit. Der größte Teil der ersten Wochen.
Manuelle Therapie (MT)
Gezielte Mobilisation von Gelenk und Patella. Sinnvoll bei Beuge- und Streckdefiziten und bei einer festsitzenden Kniescheibe.
KG am Gerät (KGG)
Gerätegestützte Trainingstherapie. Ab Phase 3 der eigentliche Motor des Kraftaufbaus, und die Leistung, die am häufigsten fehlt, weil nicht jede Praxis die Zulassung dafür hat.
Manuelle Lymphdrainage (MLD)
Bei hartnäckiger Schwellung in den ersten Wochen.
Erweiterte ambulante Physiotherapie (EAP)
Ein verdichtetes Programm aus Physiotherapie, medizinischer Trainingstherapie und physikalischer Therapie, mehrere Stunden je Termin, mehrmals wöchentlich.

EAP: wann sie sinnvoll ist und wer sie zahlt

Die EAP ist die intensivste ambulante Form. Sie läuft in zugelassenen Zentren, umfasst mehrere Behandlungsbausteine an einem Termin und findet meist an mehreren Tagen pro Woche statt. Eine erste Verordnung läuft in der Regel über 14 Tage und kann nach Kontrolluntersuchung um weitere 14 Tage verlängert werden.

Entscheidend ist, wer zahlt: Kostenträger sind vor allem die Berufsgenossenschaften, die Unfallkassen und die privaten Krankenversicherungen. Bei einem Arbeits- oder Wegeunfall verordnet sie der Durchgangsarzt, und sie wird regelhaft bewilligt. Gesetzlich Versicherte ohne Unfallversicherungsfall bekommen die EAP dagegen nicht regelhaft, sondern werden über Heilmittelverordnungen versorgt. Wer also privat beim Sport gestürzt ist und gesetzlich versichert ist, plant besser mit Krankengymnastik und KG am Gerät, nicht mit der EAP.

Was Sie zuzahlen

10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung

Gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen zu einer Heilmittelverordnung 10 Prozent der Behandlungskosten plus 10 Euro je Verordnung. Bei sechs Verordnungen zu je sechs Behandlungen und einem Kassenpreis um 25 Euro summiert sich das über die ganze Reha auf rund 150 Euro, bis die Belastungsgrenze greift. Der Zuzahlungsrechner rechnet es mit Ihren eigenen Zahlen aus.

Ein Hinweis, der 2027 relevant wird: Das vom Bundeskabinett am 29. April 2026 beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht vor, die Zuzahlung zu Heilmitteln ab 2027 von 10 auf 15 Prozent anzuheben und die Verordnungsgebühr von 10 auf 15 Euro. Solange das nicht in Kraft ist, rechnen wir mit den geltenden Sätzen und sagen dazu, dass sich das ändern soll.

Wie Sie mehr aus denselben Terminen holen

1

Ziele statt Beschwerden benennen

Nicht das Knie tut weh, sondern: Streckdefizit 5 Grad, Quadrizeps-LSI 68 Prozent, Ziel Laufbeginn in sechs Wochen. Physiotherapie arbeitet mit Zielen besser als mit Gefühlen.

2

Nach Messungen fragen

Kraft im Seitenvergleich, Beweglichkeit, Ergussgrad, wenigstens alle vier Wochen und immer im selben Aufbau. Ohne Verlauf ist jede Einschätzung eine Meinung.

3

Das Heimprogramm ernst nehmen

Zwei Termine pro Woche sind zwei Stunden. Der Rest der Woche entscheidet, und die Leitlinien unterstützen ausdrücklich angeleitete Rehabilitation mit Heimprogramm.

4

Die Praxis nach ihrer Ausstattung auswählen

KGG-Zulassung, Dynamometer, Erfahrung mit Kreuzbandnachbehandlung. Diese drei Fragen am Telefon sparen Ihnen später Monate.

Fragen, die wirklich gestellt werden

Wie viele Physiotherapie-Einheiten bekomme ich nach einer Kreuzband-OP?
Der Zustand nach Kreuzbandplastik gilt als langfristiger Heilmittelbedarf, deshalb sind mehrere aufeinanderfolgende Verordnungen üblich und das Praxisbudget ist kein Gegenargument. In der Praxis laufen die meisten mit zwei Einheiten pro Woche über die ersten drei bis sechs Monate.
Was ist EAP und bekomme ich sie?
Die erweiterte ambulante Physiotherapie ist ein verdichtetes Programm aus Physiotherapie, medizinischer Trainingstherapie und physikalischen Maßnahmen in einem zugelassenen Zentrum. Kostenträger sind vor allem die Berufsgenossenschaften, die Unfallkassen und die privaten Krankenversicherungen. Gesetzlich Versicherte ohne Unfallversicherungsfall bekommen sie nicht regelhaft, sondern werden über Heilmittelverordnungen versorgt.
Was kostet mich die Physiotherapie?
10 Prozent der Behandlungskosten plus 10 Euro je Verordnung, bis die Belastungsgrenze von 2 Prozent Ihrer jährlichen Bruttoeinnahmen erreicht ist, bei chronisch Kranken 1 Prozent. Über eine ganze Reha sind das meist rund 150 Euro.
Was ist KG am Gerät und warum ist das wichtig?
Gerätegestützte Trainingstherapie, also der Teil, mit dem die Kraft tatsächlich zurückkommt. Nicht jede Praxis hat die Zulassung dafür, und ohne sie stockt der Aufbau ab Woche sechs. Fragen Sie danach, bevor Sie eine Praxis wählen.