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Physiotherapie nach Kreuzband-OP: Verordnung, EAP und Zuzahlung
Wie viele Behandlungen Sie bekommen, wer sie verordnet, was die erweiterte ambulante Physiotherapie ist und was am Ende auf Ihrer Rechnung steht.
Nach einer Kreuzbandplastik ist die Physiotherapie kein Beiwerk, sondern die Behandlung. Das Transplantat wird operiert, die Funktion wird trainiert. Trotzdem verbringen viele die ersten Wochen damit, herauszufinden, wie sie überhaupt an genug Termine kommen.
Wer verordnet und wie viel
Die Verordnung stellt in der Regel die operierende Klinik für die erste Zeit aus, danach übernimmt die Hausärztin oder die niedergelassene Orthopädin. Der Zustand nach Kreuzbandplastik fällt unter den langfristigen Heilmittelbedarf, was bedeutet: Die Verordnungen belasten das Praxisbudget nicht in der üblichen Weise, und die Zahl der Einheiten ist großzügiger als bei einer akuten Beschwerde. Wenn eine Praxis zögert, ist dieser Punkt das Argument.
Was verordnet werden kann
- Krankengymnastik (KG)
- Die Grundleistung: manuelle Techniken, Übungen, Gangschulung, Beweglichkeit. Der größte Teil der ersten Wochen.
- Manuelle Therapie (MT)
- Gezielte Mobilisation von Gelenk und Patella. Sinnvoll bei Beuge- und Streckdefiziten und bei einer festsitzenden Kniescheibe.
- KG am Gerät (KGG)
- Gerätegestützte Trainingstherapie. Ab Phase 3 der eigentliche Motor des Kraftaufbaus, und die Leistung, die am häufigsten fehlt, weil nicht jede Praxis die Zulassung dafür hat.
- Manuelle Lymphdrainage (MLD)
- Bei hartnäckiger Schwellung in den ersten Wochen.
- Erweiterte ambulante Physiotherapie (EAP)
- Ein verdichtetes Programm aus Physiotherapie, medizinischer Trainingstherapie und physikalischer Therapie, mehrere Stunden je Termin, mehrmals wöchentlich.
EAP: wann sie sinnvoll ist und wer sie zahlt
Die EAP ist die intensivste ambulante Form. Sie läuft in zugelassenen Zentren, umfasst mehrere Behandlungsbausteine an einem Termin und findet meist an mehreren Tagen pro Woche statt. Eine erste Verordnung läuft in der Regel über 14 Tage und kann nach Kontrolluntersuchung um weitere 14 Tage verlängert werden.
Entscheidend ist, wer zahlt: Kostenträger sind vor allem die Berufsgenossenschaften, die Unfallkassen und die privaten Krankenversicherungen. Bei einem Arbeits- oder Wegeunfall verordnet sie der Durchgangsarzt, und sie wird regelhaft bewilligt. Gesetzlich Versicherte ohne Unfallversicherungsfall bekommen die EAP dagegen nicht regelhaft, sondern werden über Heilmittelverordnungen versorgt. Wer also privat beim Sport gestürzt ist und gesetzlich versichert ist, plant besser mit Krankengymnastik und KG am Gerät, nicht mit der EAP.
Was Sie zuzahlen
10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung
Gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen zu einer Heilmittelverordnung 10 Prozent der Behandlungskosten plus 10 Euro je Verordnung. Bei sechs Verordnungen zu je sechs Behandlungen und einem Kassenpreis um 25 Euro summiert sich das über die ganze Reha auf rund 150 Euro, bis die Belastungsgrenze greift. Der Zuzahlungsrechner rechnet es mit Ihren eigenen Zahlen aus.
Ein Hinweis, der 2027 relevant wird: Das vom Bundeskabinett am 29. April 2026 beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht vor, die Zuzahlung zu Heilmitteln ab 2027 von 10 auf 15 Prozent anzuheben und die Verordnungsgebühr von 10 auf 15 Euro. Solange das nicht in Kraft ist, rechnen wir mit den geltenden Sätzen und sagen dazu, dass sich das ändern soll.
Wie Sie mehr aus denselben Terminen holen
Ziele statt Beschwerden benennen
Nicht das Knie tut weh, sondern: Streckdefizit 5 Grad, Quadrizeps-LSI 68 Prozent, Ziel Laufbeginn in sechs Wochen. Physiotherapie arbeitet mit Zielen besser als mit Gefühlen.
Nach Messungen fragen
Kraft im Seitenvergleich, Beweglichkeit, Ergussgrad, wenigstens alle vier Wochen und immer im selben Aufbau. Ohne Verlauf ist jede Einschätzung eine Meinung.
Das Heimprogramm ernst nehmen
Zwei Termine pro Woche sind zwei Stunden. Der Rest der Woche entscheidet, und die Leitlinien unterstützen ausdrücklich angeleitete Rehabilitation mit Heimprogramm.
Die Praxis nach ihrer Ausstattung auswählen
KGG-Zulassung, Dynamometer, Erfahrung mit Kreuzbandnachbehandlung. Diese drei Fragen am Telefon sparen Ihnen später Monate.